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FSC in Afrika: 30 Millionen Hektar Wald bis 2030 – was die Zámba-Initiative vorhat

Veröffentlicht am 31. Oktober 2026 · GRÜNY-Redaktion

FSC Afrika will bis 2030 30 Millionen Hektar Wald nach seinem Standard bewirtschaften lassen und 400 Millionen US-Dollar mobilisieren. Ziele, erste Schritte in Gabun und Kenia und die Kritik am Siegel in Zentralafrika.

Ein dichter Wald mit drei hohen Baumriesen. Am Ast des größten hängt ein Anhänger mit rundem Siegel-Zeichen, rechts wachsen Reihen junger Bäume an Pflanzstäben.
Abbildung: GRÜNY · eigenes Werk

Was FSC Afrika vorhat

Der Forest Stewardship Council (FSC) will in Afrika deutlich wachsen. In einem Interview mit dem Magazin Pan African Visions vom 30. Oktober 2026 hat Dr. Peter Alele, Regionaldirektor von FSC Africa, die Ziele der sogenannten Zámba Heritage Initiative erneut beschrieben: 30 Millionen Hektar Wald sollen nach den FSC-Prinzipien bewirtschaftet werden, 5 Millionen Hektar degradiertes Land sollen wiederhergestellt werden, und rund 400 Millionen US-Dollar sollen dafür zusammenkommen. Als Zeitraum nennt Alele zehn Jahre, eine FSC-Meldung vom Mai 2026 setzt für die Waldfläche das Jahr 2030 als Zielmarke.

Zur Einordnung: 30 Millionen Hektar entsprechen etwa der Fläche Italiens. „Nachhaltige Bewirtschaftung“ heißt bei FSC nicht Schutzgebiet, sondern Holznutzung nach einem Regelwerk, das von unabhängigen Zertifizierern geprüft wird. Die Initiative ist kein neues Siegel, sondern ein Programm, mit dem FSC das bestehende FSC-Siegel in afrikanischen Ländern ausweiten will.

Nairobi, Februar 2026

Gestartet wurde die Initiative auf einem Kongress vom 10. bis 12. Februar 2026 in Nairobi, den FSC gemeinsam mit der kenianischen Regierung ausgerichtet hat. Laut FSC nahmen über 200 Personen aus mehr als 25 Ländern teil, darunter Minister und Forstbeamte aus 14 afrikanischen Staaten. Am Ende stand die „Zámba Heritage Nairobi Declaration“, in der sich die beteiligten Regierungen zu dem 400-Millionen-Dollar-Ziel bekannten. FSC selbst sagte über 11 Millionen US-Dollar zu, um Unternehmen auf dem Weg zur Zertifizierung zu unterstützen.

Im Mai 2026 meldete FSC, dass sich weitere Unterstützer angeschlossen haben, darunter die Regierungen von Sambia, Gabun und Kenia, die Entwicklungsagentur der Afrikanischen Union (AUDA-NEPAD) über ihre Wiederaufforstungs-Initiative AFR100 und die Naturschutzorganisation The Nature Conservancy. Mit letzterer hat FSC Africa eine Vereinbarung bis 2030 geschlossen, die sich auf das Kongobecken konzentriert, also auf Kamerun, Gabun und die Republik Kongo.

Gabun und Kenia: die ersten Schritte

Am weitesten ist Gabun. Die dortige Nationalparkbehörde ANPN hat am 12. März 2026 in Libreville ein Rahmenabkommen mit FSC Africa unterschrieben. Ziel ist, die Verwaltung aller 13 Nationalparks des Landes nach FSC-Standard zertifizieren zu lassen, zusammen knapp 3 Millionen Hektar. Zertifiziert ist bisher nichts: Nach Angaben der gabunischen Zeitung Gabon Review soll der Prozess ein bis zwei Jahre dauern, ein erstes Vorbereitungstreffen fand im Juli 2026 statt. Es wäre das erste Mal, dass FSC in Zentralafrika Nationalparks statt Holzkonzessionen zertifiziert.

Kenia hat vier Waldblöcke am Aberdare-Gebirge mit rund 65.000 Hektar für ein Pilotprojekt ausgewiesen. Weitere Länder, die FSC in Nairobi nannte, sind Sambia und die Republik Kongo.

Kleine Waldbesitzer und Gemeinden

Ein Schwerpunkt der Initiative ist die Gruppenzertifizierung. Kleinbauern und Gemeinden, die Wald bewirtschaften, können sich dabei zusammenschließen und Kosten sowie Verwaltungsaufwand teilen. Für einzelne Betriebe ist eine FSC-Zertifizierung sonst oft zu teuer.

Gruppenzertifizierung ist ein wichtiges Instrument, um den Zugang zur Zertifizierung zu erweitern. Sie erlaubt es Kleinwaldbesitzern und Gemeinde-Waldbewirtschaftern, die Kosten und den Verwaltungsaufwand zu teilen.

— Dr. Peter Alele, FSC Africa, gegenüber Pan African Visions (aus dem Englischen übersetzt)

Alele verweist außerdem auf die FSC-Anforderung der „Free, Prior and Informed Consent“, also der freien, vorherigen und informierten Zustimmung lokaler Gemeinschaften und indigener Völker, bevor Bewirtschaftung ihre Rechte oder Ressourcen berührt. Als größte Hürden nennt er selbst Governance-Probleme, unklare Landrechte und illegalen Holzeinschlag.

Warum FSC in Zentralafrika umstritten ist

Genau in den Ländern, auf die Zámba zielt, steht FSC seit Jahren in der Kritik. Greenpeace forderte 2011 ein Moratorium für neue FSC-Zertifikate im Kongobecken. Eine Analyse von Greenpeace Afrika aus dem Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis, dass zwischen 2000 und 2013 in FSC-zertifizierten Konzessionen der Region prozentual doppelt so viel intakte Waldlandschaft verloren ging wie in nicht zertifizierten. Ein FSC-eigenes Beschwerdepanel teilte in einem Fall aus der Demokratischen Republik Kongo die Bedenken gegenüber Zertifizierungen in schwach regierten Regionen, hielt aber am Grundsatz fest, dass FSC bei konsequenter Anwendung der Regeln wirken könne.

Im März 2018 ließ Greenpeace International seine FSC-Mitgliedschaft auslaufen. Begründung: Die Standards würden uneinheitlich angewendet, der Schutz von Wäldern und Menschenrechten sei nicht gewährleistet. Nationale Greenpeace-Büros, etwa in den USA und Kanada, blieben Mitglied. Einem anderen Siegel wie PEFC trat Greenpeace ausdrücklich nicht bei. 2021 berichtete das Umweltmagazin Mongabay, die zertifizierte Fläche im Kongobecken sei geschrumpft.

FSC hält dagegen, dass Zertifizierung dort am meisten bewirke, wo Governance schwach sei, weil sie Regeln und externe Prüfung einziehe, wo der Staat sie nicht durchsetze. Die Zámba-Initiative ist der Versuch, diese These im großen Maßstab zu belegen.

Was das für FSC-Holz in Deutschland heißt

Am Siegel selbst ändert sich zunächst nichts. Holz aus afrikanischen Wäldern kommt auch in Deutschland an, etwa als Gartenmöbel, Terrassendielen oder Furnier. Ob und wie ein FSC-Zertifikat die Herkunft absichert, hängt von der Variante ab: FSC 100 % steht für Holz vollständig aus zertifizierten Wäldern, FSC Mix erlaubt eine Mischung mit kontrolliertem, aber nicht zertifiziertem Holz, FSC Recycled steht für Altholz. Wie GRÜNY die Varianten einstuft, steht auf der FSC-Siegelseite und in den Kriterien.

Wenn die Initiative hält, was FSC ankündigt, wächst die Fläche, aus der FSC-100-%-Holz aus Afrika stammen kann. Ob die Zertifizierung dort auch die Kritik entkräftet, lässt sich erst in einigen Jahren an den Prüfberichten ablesen. Wir behalten das Thema im Blick.

Quellen

  1. Dr. Peter Alele On Building A Sustainable Future for Africa's Forests – Pan African Visionspanafricanvisions.com
  2. Zámba Heritage concludes in Nairobi with a landmark declaration for Africa's forests – FSCfsc.org
  3. Zámba Heritage Initiative Congress to accelerate action for forests across Africa – FSCfsc.org
  4. Fifteen organizations endorse Zamba Heritage Initiative – FSCfsc.org
  5. FSC signe deux accords au Gabon pour renforcer la conservation – FSC Afriqueafrica.fsc.org
  6. Gestion durable des forêts : le FSC scelle deux accords stratégiques avec l'UOB et l'ANPN – Gabon Reviewgabonreview.com
  7. Greenpeace International statement on forest certification – Greenpeace, März 2018greenpeace.org
  8. Greenpeace International ends its Forest Stewardship Council membership – Mongabaynews.mongabay.com
  9. NGOs say FSC label offers little protection for forests, Indigenous people – Mongabaynews.mongabay.com
  10. Complaints Panel Evaluation Report Greenpeace / SODEFOR – FSCprod.fsc.org

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